Mittwoch, 23.11.2011

Heute geht’s endlich richtig los.

Unser Patagonienabenteuer beginnt. Gegen 8:00 Uhr fahren wir Richtung Torres del Paine Nationalpark ab. In der Nacht hat es geregnet und auch jetzt noch haben wir leichten Nieselregen.

Erste Etappe im Torres del Paine

Unterwegs machen wir immer wieder kurze Stopps. Wieder sehen wir Nandus und Guanakoherden. Inzwischen hat der Regen glücklicher Weise aufgehört. Die Wolken allerdings sind geblieben.

Gegen 11:00 Uhr kommen wir am Parkeingang an. Jetzt ist Schluss mit Busfahren. Von nun an wird gelaufen. Wir schultern unsere Rucksäcke und machen noch ein letztes Gruppenfoto bevor es in die Wildnis geht. Man weiß ja nie, wie wir wieder herauskommen werden. Dann wandern wir los.

Wir laufen das “W” in Ost-West-Richtung. Viele gehen den Track in umgekehrter Richtung. Die Bezeichnung “W” hat die Tour bekommen, da in 3 Täler abgebogen wird und man somit aus der Vogelperspektive betrachtet ein “W” läuft.

Erstes Ziel ist das Refugio Chileno. Den ersten Kilometer geht es gemütlich auf gleicher Höhe Richtung Refugio. Wir überqueren eine Hängebrücke. Ein Warnschild weist daraufhin, dass immer nur maximal 2 Personen gleichzeitig die Brücke betreten dürfen. Aufgrund der Brückenkonstruktion halten wir uns lieber daran. Danach führt der Weg steil bergan. Wir sind nicht allein unterwegs. Einige Personen laufen mit in unserer Richtung. Viele kommen uns entgegen, die das “W” hier beenden und somit auf der letzten Etappe sind.

Der Pfad schlängelt sich in einigen Auf und Ab ins Tal hinein. In der Ferne können wir schon das Refugio ausmachen. Unten im Tal begleitet uns die ganze Zeit der Rio Ascensio. Leider ist es weiter bewölkt, so dass wir die Gipfel der umliegenden Berge nicht sehen können.

Die letzten Meter zum Refugio führen bergab. Noch einmal müssen wir den Rio Ascensio auf einer Brücke überqueren und dann sind wir vorerst am Ziel. Passend zur Mittagszeit werden am Refugio die mitgebrachten Lunchpakete geplündert. Was wir jetzt essen, müssen wir später nicht mehr tragen.

Heute und Morgen werden wir noch in den Refugios übernachten. Deshalb klärt Felipe ab, in welchem Raum wir untergebracht sind. Es gibt hier 4 Mehrbettzimmer mit insgesamt 32 Betten. In einem der Räume richten wir uns ein. Die schweren Rucksäcke lassen wir hier und nur mit leichten Tagesrucksäcken machen wir uns nach kurzer Pause auf den Weg zu den Torres.

Zu Beginn führt uns der Weg rechtsseitig am Fluss entlang. Durch dichte Wälder geht es ohne merkliche Steigungen weiter in das Tal hinein. Nach einer Weile queren wir wieder auf einer Brücke den Fluss. Wie immer schön einzeln zum Wohle der Brücke.

Als der Wald sich lichtet können wir an den Hängen der Berge Wasserfälle und Schneefelder sehen. Dann stehen wir vor dem Beginn des Aufstieges zum Aussichtspunkt auf die Torres. An einem Gletscherbach füllen wir unsere Trinkflaschen noch einmal mit eiskalten, glasklaren Gebirgswasser.

Dann machen wir uns an den Aufstieg. Jeder in seinem Tempo. Der letzte Kilometer führt über einen steilen Geröllhang. Noch haben wir Hoffnung, die Torres in ganzer Pracht sehen zu können. Doch die Wolken hängen weiter bedrohlich über uns. Erste Ausflügler kommen uns bereits entgegen. Ihre Berichte über den Ausblick beflügeln uns.

Auf diesem Abschnitt des Weges braucht man schon ein bisschen Trittsicherheit. Über große Gesteinsblöcke suchen wir unseren Weg die Gletschermoräne hinauf. Das Wetter wird immer schlechter. Es wird kalt und windig. Teilweise setzt sogar kurz Schneeregen ein.

Dann ist es vollbracht. Wir sind am Aussichtspunkt angekommen. Am Fuß der Torres auf knapp 900 Metern Höhe befindet sich ein Bergsee. Die 3 Spitzen der Torres erinnern an die 3 Zinnen in den Dolomiten. Die 3 Gipfel sind 2600, 2800 und 2850 Meter hoch. Hier an dieser Stelle ist für uns Schluss. Der weitere Aufstieg ist nur noch etwas für Bergsteiger.

Wir haben genug Zeit und machen es uns deshalb auf großen Gesteinsblöcken so bequem wie möglich. Wir hoffen noch immer darauf, dass die Wolken aufbrechen und die Spitzen der Torres freigeben.

Leider spielt das Wetter nicht mit. Felipe meint, wir sollten nicht zu enttäuscht sein. Er war vielleicht schon Einhundertmal hier und hat die Torres ca. Fünfmal komplett gesehen. Somit machen wir uns nach einer ausgiebigen Pause wieder auf den Rückweg. Alle Wege führen nach Rom, aber nur einer zurück zum Refugio Chileno. Also geht es den gleichen Weg zurück.

Gegen 18:20 Uhr kommen wir am Refugio an. 19:00 Uhr gibt es Abendessen. Eine Vorsuppe, Hühnchen mit Kartoffelbrei (dieser soll uns die nächsten Tage noch öfters begegnen) und Milchreis als Nachtisch.