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Thagna - Cho La - Dzongla

Thagna - Cho La - Dzongla

04:30 Uhr klingeln die Wecker. Ich habe, vorsichtig ausgedrückt, eine bescheidene Nacht hinter mir. Schon seit ein paar Tagen bin ich nicht mehr richtig fit. Die Erkältung wird immer schlimmer, der Husten entwickelt sich zum berühmt berüchtigten Khumbu-Husten. Mir tut alles weh.

Ich habe keine Ahnung, wie ich heute über den Pass kommen soll. Ich überlege sogar, die Passüberschreitung sein zu lassen. Aber wie soll das gehen, wenn ich die Tour nicht ganz abbrechen will.
Von Thagna über den Cho La nach Dzongla Zum Vergrößern auf das Bild klicken!
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Oliver überredet mich mitzugehen und es zu versuchen. Irgendwie wird es schon klappen.

Gegen 05:45 Uhr brechen wir auf. Passang hat sich gleich meinen Rucksack geschnappt. So kann ich ohne Gepäck auf die Strecke gehen. Direkt hinter dem kleinen Ort beginnt die Schlucht, in welcher der Weg hinauf zum Cho La führt.


Der Weg ist gut zu begehen, gleichmäßig schlängelt er sich die Schlucht hinauf. Direkt neben dem Weg kommt ein kleiner Bachlauf vom Berg herunter. Ab und zu macht dieser den Weg nass und feucht. Dadurch sind die Steine teilweise mit Eis überzogen. In der Nacht war es doch recht kalt.

Nach knapp 3 Kilometern kommen wir auf einer kleinen Hochebene an. Heute sich wir wieder nicht allein unterwegs. Viele Gruppen wollen über den Pass. Entsprechend voll ist es auf dem Trek.


Hier oben machen wir eine kurze Pause. Vor uns liegt eine Senke, da müssen wir durch. Das heißt tatsächlich nochmal knapp 90 Höhenmeter absteigen, bevor es dann tatsächlich zum Pass hinaufgeht.

Am anderen Ende der Senke können wir den Pass erahnen. Mein Gott. Von hier aus sehe ich nur eine senkrechte Felswand hinauf zum Passübergang. Gibt’s da überhaupt einen Weg?


Der Weg über die Senke führt durch Geröll und Blockwerk. Einen knappen Kilometer müssen wir hier zurücklegen, dann stehen wir im Einstieg zum Cho La.

Ein Pfad aus Geröll und Stufen führt hinauf. Überall in der Wand sehen wir Trekker und Porter verteilt. Weiter oben nur noch ganz klein zu erkennen. Viele gehen hinauf. Aber auch einige kommen aus dem Khumbutal über den Pass auf dieser Seite herunter.


Gute 300 Höhenmeter liegen noch vor uns. Zur Sicherheit ist an weiten Teilen des Pfades ein Stahlseil im Fels befestigt. Gerade für die Porter mit ihrem schweren Gepäck ist das im Auf- und Abstieg sehr hilfreich. Aber auch ich nutze das Seil gern als Unterstützung.

Oliver bleibt immer in meiner Nähe. Er kennt mich seit Jahren und weiß, dass das jetzt nicht unbedingt mein Lieblingsgelände ist. Aber trotzdem ziehts mich immer wieder nach Nepal auf solche Touren.


So geht’s langsam die Wand hinauf. Hier aus der Nähe ist tatsächlich der Weg auch nicht so schlimm, wie es eine Weile vorher aus der Ferne noch aussah.

Gegen 10:00 Uhr ist es geschafft. Wir stehen auf fast 5.400 Metern Höhe und sind glücklich auch dieses Teilstück geschafft zu haben. Heute Morgen in der Lodge wollte ich noch nicht daran glauben.


Nach kurzer Pause steigen wir auf der anderen Seite in das Khumbutal ab. Ein kurzes Steilstück, auch wieder mit einem Stahlseil gesichert, führt hinunter auf den Gletscher. Dann geht es am Rand des schneebedeckten Gletschers weiter. Aufgrund der vielen Menschen, die hier jeden Tag rübergehen, gibt es eine gut ausgetretene Spur im Schnee. Dieser müssen wir nur folgen.

Später müssen wir in felsiges Gelände ausweichen. Hier geht’s nochmal etwas hoch und runter. Die schneebedeckten Steine sind teilweise rutschig. Hier heißt es nochmal gut aufpassen.


Doch schon bald haben wir die Schneezone hinter uns gelassen. Das Gelände geht in Fels und Geröll über. Steil führt der Pfad in Serpentinen im Blockgelände abwärts. Die meisten aus unserer Gruppe sind schon vorausgeeilt. Sie springen förmlich den Berg herunter. Ich lass mir da etwas mehr Zeit. Ich könnte ja sagen, ich will die Landschaft und die Aussicht genießen.

Irgendwann ist es geschafft. Das steile Gelände liegt hinter uns. Vor uns liegt eine flache Ebene. In der Ferne können wir die wenigen Häuser von Dzongla sehen. Bis dahin müssen wir es heute noch schaffen. Weit dahinter thront groß und mächtig die Ama Dablam. Für viele ist sie der schönste Berg im Himalaya.


Gegen 13:00 Uhr sind wir an unserem heutigen Etappenziel angekommen. Jetzt wird nur noch in der Lodge rumgegammelt. Ich muss mich erholen. Der Husten ist nicht besser geworden. Mittlerweile tun die Rippen vom vielen Husten weh. Ich bin froh, doch noch ganz gut über den Pass gekommen zu sein.

Morgen wird sich die Truppe trennen. Die Bergsteiger brechen zum Lobuche East auf. Eine kleine Gruppe, ich eingeschlossen, gehen Richtung Gorak Shep. In drei Tagen werden wir wieder zusammenkommen.